Fakes auf der documenta 14

Kritikerumfrage zur documenta 14 // Von kultureller Vielfalt keine Spur!

Meine Stimme:

Kultureinerlei: Fake-News gibt es auch in der Kunst, wie die Röhren von Hiwa K. vor der Documenta-Halle beweisen. Angeblich sollte auf die Lebenssituation einiger Flüchtlinge aufmerksam gemacht werden. Nur leider deutete nichts darauf hin. Die Röhren wurden von deutschen Studenten eingerichtet und zwar im schicken Minimal-Beton-Look. Das Werk gleicht einer Ikea-Werbung: irgendwo zwischen hip und Mainstream. Durch Topfpflanzen, glänzende Waschbecken, Rasierpinsel, gemütliche Kissen und angesagte Lampen verlieren die Röhren jede Deutungstiefe, repräsentieren aber einen vom Kapitalismus getriebenen Design-Geschmack.

Politische Kunst ist das nicht. Und auch der Parthenon der Bücher von Marta Minujín ist ein Fake. Angeblich ging es hier um verbotene Bücher der Nazizeit und anderen Diktaturen. In Wahrheit bildet sich der Kanon deutscher Klassiker ab. Goethe und Grimm kommen dutzendfach vor, sogar mehrmals an gleicher Säule durch gleiche Verlagsausgaben. Statt Kulturvielfalt und Individualität sah man Kultureinerlei in konformer Documenta-Ästhetik.

Erscheinen auf: art das Kunstmagazin Online

 

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